Arm, keusch, gehorsam - ein Leben im Kloster

„Ich finde unseren Papst genial“, urteilt Sr. Maria Eisenbarth über den frischen Wind aus dem Vatikan. Die Generaloberin der Franziskanerinnen von Reute hat sich am Mittwochabend den Fragen der Journalisten und Pressesprecher aus dem Netzwerk K gestellt. Der Besuch in Reute war für zahlreiche Teilnehmer der erste Blick hinter die sonst verschlossenen Klostermauern. Auf die Vesper, das liturgische Abendgebet, folgte ein Rundgang durch das Mutterhaus des Klosters. Seit 1870 sind die Franziskanerinnen in Bad Waldsee. Zu den besten Zeiten, um 1940, lebten über 2000 Schwestern in dem Komplex, heute noch 180. Das Durchschnittsalter liegt bei 72 Jahren.

 

Verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im Kloster ist Sr. Elisa. Ihre Beschreibungen aus dem Leben der Franziskanerinnen waren lebhaft und für viele Teilnehmer neu und überraschend. So haben Nonnen kein Bankkonto, aber 28 Tage Urlaub. Wer arbeitet, erhält keinen Lohn, sondern eine sogenannte Gestellung. Das Geld ist jedoch nicht für den persönlichen Besitz, es wandert in einen gemeinsamen Topf. Daraus werden anfallende Ausgaben beglichen. Die Gewänder und Schleier werden im Kloster selbst geschneidert, ebenso wie die Hostien seit 140 Jahren selbst gebacken werden. Auch um eine private Altersvorsorge müssen sich die Ordensschwestern keine Gedanken machen. Im Kloster gibt es ein Alten- und Pflegeheim mit 80 Plätzen.

 

Wie bei vielen andere Klöster auch, fehlt es den Franziskanerinnen von Reute an Nachwuchs. Immer weniger junge Frauen wollen das weltliche Leben hinter sich lassen und sich in den Dienst Gottes stellen. Nachwuchsmangel und die hohe Altersstruktur bereiten der Generaloberin jedoch keine schlaflosen Nächte. „Wenn Gott uns keinen Schwesternnachwuchs schickt, sterben wir aus. Das ist Gottes Wille. Ich muss mich deshalb nicht verrückt machen“, bekennt Sr. Maria freimütig.

 

Damit das Werk der Franziskanerinnen nicht in naher oder ferner Zukunft keine Fortsetzung mehr findet, wurde vor 15 Jahren die St. Elisabeth Stiftung gegründet. Sie ist seither Herrin über alle Krankenhäuser, Alten-, Pflege- sowie Sozialeinrichtungen und gehört mit 1750 Mitarbeitern zu den großen sozialen Arbeitgebern in der Region. Annemarie Strobl, Vorstand der Stiftung, informierte die Netzwerker vor allem über die wirtschaftlichen Gesichtspunkte. So sei es in der aktuellen Niedrigzinsphase zunehmend schwer, das Stiftungsvermögen werterhaltend anzulegen. Darüber hinaus sei ein weiteres Wachstum der St. Elisabeth Stiftung durch Zukäufe und Übernahmen anderer Einrichtungen vorgesehen, aber nicht um jeden Preis. Man wolle mit Bedacht wachsen, so Strobl.